Bauernhof

Fassade eines Bauernhauses mit großem Tor und Fenstern
Eingebunden innerhalb eines reizvollen Hügellandes bei Pinkafeld ist der Bauernhof landschaftsbezogen im dünn besiedelten Weiler Unterweinberg gelegen und präsentiert in einzigartiger Weise die für das südliche Burgenland, insbesondere den Oberwarter Raum, charakteristische bäuerliche Architektur.

Diese ist, überwiegend in der 1. Hälfte des 19. Jh. entstanden, vor allem von Putzschnittfassaden und von den im Hof befindlichen Arkadengängen bestimmt. In Zusammenhang mit der Einführung der massiven Bauweise, welche die bis dahin übliche Blockbauweise weitgehend verdrängte, wird der Bauerhof mit vorgesetztem Laubengang die bevorzugte Hofform. Arkadengänge mit gedrungenen Säulen oder Pfeilern stellen eine hochentwickelte Form der gedeckten Traufe dar. Sie wurden aus Herrschaftsformen wie z.B. Hofarkaden der Renaissanceschlösser entwickelt und von ungarischen, kleinadeligen Grenzwächtern, überwiegend in der Wart ansäßig, als "Prestige-Form" übernommen.

Der ansehnliche giebelständige Vierseithof, der außer Tenne und Stadel gemauert ist und in eindringlich dokumentarischer Weise die historische erhaltene Raumabfolge der Wohn- und Wirtschaftsbereiche zeigt, wird von einer besonders reizvollen, reich gestalteten Putzschnittfassade bestimmt. Der Mörtelschnittdekor, einer handwerklich hochstehenden Technik, zieht sich über die gesamte Straßenfront und besticht neben den reich gestalteten Fensterrahmungen mit Zopfdekor auch durch unterschiedlichste, vor allem aber floraler Motive. Eine volkstümlich sinnige Giebelinschrift gibt Auskunft über die Erbauung. "Wir bauen hir gar feste und sind nur fremde geste und wo wir sollen ewig sein da bauen wir gar wennig drein. M. /8/9 S."(1819). In allen Bereichen der Hofanlage läßt sich originaler Bestand mit reizvollen Details, wie sie sonst nur mehr selten anzutreffen sind, entdecken. Stellvertretend dafür soll der mächtige geschnitzte Durchzug der Holzbalkendecke, der sog. "Duazibam", datiert 1819, in der repräsentativen Vorderstube genannt sein.

Nach der 1997 erfolgten Unterschutzstellung galt es in den letzten Jahren das vor allem wegen Feuchtigkeitsschäden bereits schwer gezeichnete Bauernhaus zu restaurieren. Nachdem alle Dächer und der Arkadengang schonend saniert wurden, konnte 2002 die schwierige Aufgabe der Fassadenrestaurierung verwirklicht werden. Nach einer vorbereitenden Dokumentation wurde in gemeinsamer Zusammenarbeit eines Restaurators mit örtlichen Fachkräften der Fassadendekor wiederhergestellt, wobei aufgrund alter Fotos und einer gezeichneten Bauaufnahme auch verlorengegangene oder stark geschädigte Detailformen der Putzdekorationen wiederhergestellt werden konnten.