Wasserkraftwerk Steyrdurchbruch

Trafostation
Geplant von Mauriz Balzarek, einem Schüler Otto Wagners, trägt die Anlage die Züge des Jugendstils.

Die ersten Planungen zur Errichtung eines Wasserkraftwerkes an der Steyr gehen auf die Zeit um 1904 zurück. Der Inhaber der Wasser-Nutzungsrechte im Bereich Steyrdurchbruch war der Wiener Ingenieur N. Vargason. Mit der Planung der Anlage wurde Architekt Mauriz Balzarek, ein Schüler Otto Wagners, betraut. Der Bau erfolgte zwischen April 1907 und November 1908 durch das Grazer Unternehmen A. Buss & Co, Auftraggeber waren die Kirchdorfer Zementwerke Hofmann & Comp. Mit seinen zwei Maschinensätzen von je 700 kW zählte das Kraftwerk zu den leistungsstärksten Anlagen seiner Zeit. Über neu errichtete 7,5 kV-Leitungen wurde nicht nur die Kirchdorfer Zementfabrik mit elektrischer Energie versorgt, sondern auch mehrere Ortschaften entlang der Leitungszüge. Durch die Errichtung einer Umspannstation und entsprechender Leitungen konnte seit 1922 sogar die Linzer Tramway mit Strom vom Steyrdurchbruch in Betrieb genommen werden. 1925 erfolgte eine Erweiterung um einen Maschinensatz. Die Wehranlage wurde 1936/37 umgebaut, nachdem der Stauraum zusehends verlandete. 1972 erfolgte die Inbetriebnahme des Maschinensatzes IV am rechten Flußufer neben dem alten Krafthaus in einer Kaverne. Dort ist eine Kaplan-Spiralturbine mit vertikaler Welle installiert. 1979/80 wurde auf automatischen Betrieb umgestellt. Heute dient die gewonnene Energie zur Nahversorgung der Gemeinden Kirchdorf, Leonstein, Sierning und Klaus.

Die gesamte bauliche Anlage trägt die markanten Züge des Jugendstils, mit denen in monumentalen Formen die neue Bedeutung der Technik und der Fortschritt der modernen Zeit gefeiert wurden. Das Turbinenhaus stellt einen zwei- beziehungsweise dreigeschoßigen Baukörper mit turmartig überhöhtem Eckbau und Walmdach dar. Im Erdgeschoß sind großflächige Fenster zwischen den gliedernden Pilastern eingeschnitten, darüber verläuft ein stark dimensioniertes Gurtgesims. Das Obergeschoß wird durch ein wellenartig geschwungenes Traufgesims abgeschlossen. Ein markantes optisches Gestaltungselement sind auch die bunt glasierten Dachziegel. Die Wehranlage besteht aus einer 43 m langen Schwergewichtsmauer, die mit einem Grundablaß-Spülstollen versehen ist. Die einzelnen Wehrsektoren sind untereinander mit Laufstegen verbunden, deren Untersichten die Bogenform aufnehmen und somit eine filigrane Bogenkette bilden, die sich von der massigen Wehrmauer abhebt. Die Brücke ist durch je zwei Pylonen in Jugendstilformen und ein durchbrochenes Geländer gekennzeichnet.

Bemerkenswert ist auch die an eine überdimensionale Rutsche erinnernde Triftgasse, deren Errichtung als Zugeständnis an die Sägewerksbesitzer entlang der Steyr erfolgte, die auf die billige Holztrift angewiesen waren und Schwierigkeiten durch Bau und Betrieb des Kraftwerks erwartet hatten.

Im Inneren ist die Maschinenhalle mit ihrer beeindruckenden technischen Ausstattung sowie mit Kacheln, Gittern und Schalttafeln authentisch erhalten und nach Voranmeldung auch zu besichtigen. Die Maschinensätze der Erbauungszeit beziehungsweise der Erweiterungsphasen sind im Kraftwerk noch in Betrieb. Es handelt sich um drei Francis-Zwillingsturbinen, die über horizontale Wellen mit den Drehstrom-Synchrongeneratoren gekuppelt sind sowie um eine Kaplan-Spiralturbine mit vertikaler Welle.

Dem Architekten ist mit diesem Bau die Verbindung eines technischen Nutzbaues mit den naturräumlichen Gegebenheiten des Steyrdurchbruchs gelungen, der heute als Naturdenkmal gilt. Turbinenhaus, Brücke und Dammkrone sind dabei zu einer gesamträumlichen Gestalt zusammengeführt worden. Die besondere Leistung Balzareks, der 1923 mit dem Kraftwerk Partenstein ein weiteres technikgeschichtliches Hauptwerk in Oberösterreich geschaffen hat, besteht darin, aus der Verbindung der landschaftlichen Situation mit dem Bauwerk eine neue Einheit geschaffen zu haben.