Filialkirche hl. Laurentius

Blick auf die Decke und das Kirchengsteühl aus Holz.
Kärnten, Lorenzenberg, Gem. Micheldorf, Polit. Bez. St. Veit an der der Glan

Kärnten hat bei einer Gesamtzahl von etwa 440.000 Katholiken über 1000 Kirchenbauten und davon eine große Anzahl meist auf das Spätmittelalter zurückgehender Filialkirchen.

Gerade die "Landkirchen" prägen das Landschaftsbild entscheidend, sind oft besonders eng im Bewußtsein der Bevölkerung verankert, vom Standpunkt der Seelsorge aber nicht gerade "notwendig" und stellen für alle Beteiligten ein schwer zu bewältigendes Problem ihrer Erhaltung dar.

Auf der Kuppe des Lorenzenberges, eines steilen Bergkegels östlich von Micheldorf, steht die heute durch hohen Baumbestand etwas der Sicht entzogene Filialkirche hl. Laurentius. Eine große Anzahl römerzeitlicher Spolien weist auf eine antike Kultstätte auf diesem Berg hin. Schon 1043 ist eine "capella sancti Laurentii in monte" genannt, die einer etwas fragwürdigen Quelle zufolge auf eine Stiftung der hl. Hemma zurückgehen könnte und ursprünglich pfarrliche Rechte hatte. Im 14. Jh. bereits Filialkirche der Pfarre St. Veit in Micheldorf, wurde der dazugehörige Friedhof bis in das 20. Jh. genutzt. Heute werden in der Kirche dreimal im Jahr heilige Messen gefeiert.

Im Inneren und an den Außenwänden der Kirche weisen die römerzeitlichen Spolien, ein kaum datierbarer Schalenstein, das wellige romanische Mauerwerk aus lagerhaft geschichteten Steinen, ein kleiner Schnitzaltar aus der Zeit um 1500, Glocken des 16. Jh., ein Epitaph von 1629, der Hauptaltar von 1695, die Kanzel und der Seitenaltar des 17. Jh., die barocke Holzdecke und das barocke Kirchengestühl sowie Fahnen des 18. und 19. Jh. auf die lange Tradition von der Spätantike bis in das 19. Jh. hin, die bedeutende Spuren an dieser Kirche hinterlassen hat.

Dem in denkmalpflegerischen Belangen sehr engagierten Pfarrherrn ist es schließlich gelungen, seine Pfarrgemeinde für eine dringend gewordene Innenrestaurierung des kleinen, historisch und künstlerisch so bemerkenswerten Baues zu gewinnen. Die Restaurierung wurde 2000/2001 unter tatkräftiger Mithilfe der Pfarrgemeinde und finanzieller Unterstützung von Bischöfl. Gurker Ordinariat, Land und BDA durchgeführt.

Dabei wurden der Altarraum statisch gesichert, an der Rückseite der gotischen Sakramentsnische ein römerzeitlicher Inschriftstein und am Triumphbogen nur noch fragmentarisch erhaltene, spätgotische Fresken mit Darstellungen des Marienlebens gefunden und an den barocken Altären die Fassungen des 17. Jh. freigelegt und rekonstruiert. Die zuvor völlig desolate, jahrzehntelang an anderer Stelle gelagerte Kanzel wurde ebenfalls saniert, restauriert und wieder zur Aufstellung gebracht. Ein störender Zementestrich konnte durch einen Ziegelboden aus einem nahe gelegenen Wirtschaftsgebäude des 19. Jh. ersetzt und das ursprüngliche, barocke Kirchengestühl saniert werden.

Vom Westportal mit einem steinernen Gewände aus römerzeitlichen Spolien, einem eisenbeschlagenen, mittelalterlichen Türblatt und einer Bekrönung mit einem sonderbaren steinernen Widderkopf bis zum Hochaltar weist der Innenraum der Kirche nach der Restaurierung - mit dem einvernehmlich festgelegten Ziel der größtmöglichen Erhaltung aller Ausstattungsstücke und nur allernotwendigster restauratorischer Interventionen - einen hervorragenden Alters- und überraschenden Stimmungswert auf, wie ihn nur noch wenige Kirchen haben.