Ehem. Sandrellhaus in Tschagguns

Bauernhausfassade von vorne mit Mariendarstellung und Jahresangabe sowie Quaderbemalung an Fenster und Ecken
Das spätmittelalterliche Bauernhaus wurde in der Blütezeit des Montafoner Bergbaues errichtet und stellt eine Montafoner Paarhofanlage dar, deren Bauweise auf einen rätoromanischen Einfluß hinweist.

Dendrochronologische Untersuchungen legten den Baubeginn im Jahre 1457 fest. Bereits um 1459 dürfte das Haus fertiggestellt worden sein. Ursprünglich wurde das Gebäude als Blockhaus mit gemauerten Sockel errichtet. In den Jahren 1602-1604 erfolgte eine Vormauerung in Steinmauerwerk in beiden Geschoßebenen. Die Teilung des Hauses in zwei Etagen mit getrennten Wohneinheiten erfolgte vermutlich um 1730. 1598 und 1730 wurden Herdstellen mit mächtigen Mantelkaminen eingefügt. Das Gebäude mit nordostseitig angelegten Eingangsportal besitzt Dekorationsmalereien aus verschiedenen Epochen. Die reich bemalte Fassadengestaltung räumt dem Gebäude eine Sonderstellung in der regionalen Hauslandschaft ein. Die älteste Inschrift befindet sich an der rechten oberen Ecke der NO-Wand und stammt aus dem Jahre 1602. Weiters wurde die Fassade mit einer perspektivischen Quadermalerei um Fenster und Hausecken ausgestattet. In der 2. Hälfte des 17. Jh. erfolgte eine Übertünchung der Flächen mit Kalk. Anschließend wurde die Fassade mit einer barocken Malerei unter Verwendung des sehr kostbaren Smaltepigments versehen. An der Nordostwand über den Hauseingang befindet sich eine Mariendarstellung mit dem Schriftzug Bärnhard Stemer/ Maria Ma(thisin) aus dem Jahre 1754. Die noch erhaltene Hausnummer 11 weist auf die erste Hausbezeichnung in nachnapoleonischer Zeit hin. Das innere Raumgefüge mit Flur Küche, Stube und Kammer ist in beiden Geschoßen weitgehend original erhalten geblieben. Die getäfelten Stuben aus dem 18. Jh., die offene Flurküche mit der aus Lehm gemauerten Herdstelle und den originalen Türen und Fenstern zeugen von wohlhabenden Besitzern. Die Unterschutzstellung des vom Verfall bedrohten Hauses erfolgte im Jahr 1990. Daraufhin konnte der bereits desolate Dachstuhl saniert und eine Holzschindeldeckung aufgebracht werden. 1996 wurde die Stabilisierung der Blockkonstruktion im Stubenbereich sowie die Notsicherung an den Putzflächen durchgeführt. Bereits 1998 erfolgte die Konservierung sämtlicher Fassaden, wobei die aus verschiedenen Epochen stammenden Malereien soweit formal geschlossen wurden als zur Lesbarkeit der die Architektur begleitenden Dekorationssysteme notwendig war. Mit dieser, aus Mittel des Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, des Landes Vorarlberg, des Stands Montafon, der Vorarlberger Illwerke und der Eigentümer geförderten Restaurierung konnte das für das Montafon repräsentativste rätoromanische Haus mit seiner noch weitgehend originalen Ausstattung erhalten werden.