Die Gertraudenkapelle in den Katakomben von St. Peter

Salzburg
In eine Felswand hineingebebaute Kapellen über einem Friedhof
Die Katakomben im Friedhof des Stiftes St. Peter stellen ein wichtiges Zeugnis der frühchristlichen Ära in Österreich dar. Ihre Restaurierung soll sie auch für zukünftige Generationen sichern.

Die sogenannten Katakomben im Friedhof von St. Peter, deren Entstehung in frühchristlicher Zeit vermutet wird, sind in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Blickpunkt der Denkmalpflege getreten. Von den innerhalb der Katakomben liegenden Kapellen (Maximus-, Gertrauden-, Kreuz- und Ägidiuskapelle) sind zwei mit bemerkenswerten mittelalterlichen Wandmalereien ausgestattet, deren schlechter Zustand raschen Handlungsbedarf erforderte.

Die unter Abt Heinrich II. 1178 restaurierte und von Erzbischof Konrad III. am 17. März dieses Jahres den Hll. Thomas Becket, Patrick von Irland und Gertraud von Nivelles geweihte mittlere Felskapelle (Gertraudenkapelle) ist vor allem deshalb von besonderem Interesse, da es sich einerseits um das älteste Becket-Patrozinium im süddeutschen Raum handelt, andererseits Erzbischof Konrad III. persönlich mit dem 1170 ermordeten und bereits drei Jahre später kanonisierten Erzbischof von Canterbury befreundet war. An der inneren Nordwand über dem Eingang befindet sich ein nur wenig bekanntes, friesartig angelegtes Fresko mit der Darstellung des Martyriums des hl. Thomas durch vier Ritter, die den Heiligen vor einem Seitenaltar in der Kathedrale von Canterbury enthaupten. Die Szene ist verbunden mit einem weiteren Heiligenmartyrium, das bisher ikonographisch noch nicht geklärt werden konnte. Zwar in einem sehr reduzierten Zustand erhalten, ist die Becketdarstellung aber zu den frühesten ihrer Art zu zählen und stellt ein wichtiges Dokument für die Salzburger Malerei der Spätromanik dar.

Die Wandmalerei verlor durch eine ehemals laienhafte Freilegung viele Details der oberen, weniger freskal abgebundenen Farbschichten, die Figuren waren teils nur mehr auf blasse Farbvorlagen reduziert. Ein durch die hohe Feuchtigkeit entstandener grau-weißlicher Belag von Mikroorganismen an der Oberfläche setzte die Lesbarkeit der Malerei auf ein Minimum herab. Den Restauratoren gelang es durch die Entfernung des Bakterienschleiers, Reinigung und partielle Nachfreilegung, die Informationsdichte deutlich zu erhöhen. Es stellte sich zudem heraus, daß Partien wie die Nimben, Kapitelle, Kelch, Kandelaber etc. durch plastische Putzauflagen mit Vergoldung hervorgehoben waren, die heute nur mehr an den Aufspitzungen abzulesen sind. Die Erneuerung alter Plomben und behutsame, weitgehend in Grauwerten gehaltene Retuschen erzeugten schließlich ein ästhetisches Gesamtergebnis, das die Qualität des ursprünglichen Werkes wieder erkennen läßt.

Durch die Installierung einer gezielten Beleuchtung soll nun die Darstellung des Martyriums des Benediktinerheiligen Thomas Becket, einem Schlüsselbild für das hochmittelalterliche kirchliche Selbstverständnis während des Investiturstreits, in der für Besucher zugänglichen Gertraudenkapelle wieder zum bestimmenden Element werden.

Ein an der Außenwand der Kapelle liegendes, nur mehr in Resten erhaltenes romanisches Kreuzigungsfresko (von 1178?) mit den Assistenzfiguren Maria und Johannes konnte ebenfalls im heurigen Jahr einer Restaurierung unterzogen werden. Der äußerst schlechte Zustand erforderte intensive konservatorische Behandlungen um die Stabilität der Putz- und Malschicht zu erreichen. Nachfreilegungen brachten darüber hinaus gute Ergebnisse. Durch geringe Retuschen wurde dann lediglich das Schadensbild zugunsten einer besseren Lesbarkeit reduziert.

Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich der Gertraudenkapelle sind weitere Malereireste (romanischer Büstenfries, Marmorierung in den Fensterlaibungen, gotische Schablonenmalerei) zu erkennen, die gemeinsam mit einem umfassenden Gesamtkonzept für die Kapelle noch zu untersuchen und zu restaurieren sind. Um die Witterungseinflüsse zu verringern, wurden noch vor dem letzten Winter in die Rundbogenöffnungen des Vorraums ehemals vorhandene Fenster wieder eingesetzt. Besichtigungsmöglichkeit: Mittwoch bis Sonntag, 10.30 - 16.00 Uhr.

Letztes Update: 27.04.2001 © Copyright 2001 BUNDESDENKMALAMT