Ehemaliges Minoritenkloster

Blick auf den Anschluß des neuen Foyergebäudes an die mittelalterliche Stadtmauer.
Tragfähige Nutzung nach der oö. Landesausstellung 2000: Zweckwidmung für Veranstaltungsbereich, die Archäologische Sammlung des Museums der Stadt Wels sowie für Wohnungen.

Der im unmittelbaren Altstadtkern von Wels zwischen Stadtplatz und Stadtmauer gelegene Gebäudekomplex stellt eine mehrfach gewachsene Anlage dar, die in ihrem Baukern und vor allem im Kirchengebäude auf die Zeit nach der Stiftung des Klosters im Jahre 1280 zurückgeht und in der Barockzeit erweitert sowie umgebaut wurde. Der überlieferte Zustand war sehr stark vom Schicksal der Baulichkeiten nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1784 bestimmt, als es aufgrund unterschiedlichster Nutzungen vom Militärmagazin über Gerichtsgebäude bis zum Feuerwehrdepot zu mehreren Umbauten bis hin zur Unterteilung des Kirchenraums durch Zwischengeschoße kam.

Zuletzt stand der im Eigentum der Stadt Wels befindliche Gebäudekomplex leer und blieb eine denkmalpflegerisch und städtebaulich offene Frage. In Zusammenhang mit der OÖ. Landesausstellung 2000 konnte ein tragfähiges Nachnutzungskonzept mit kulturellem und öffentlichem Schwerpunkt entwickelt werden, bei dem eine gemischte Zweckwidmung für einen Veranstaltungsbereich, für die Archäologische Sammlung des Museums der Stadt Wels sowie für Wohnungen zum Tragen kommen sollte.

Als Grundlage für einen Architektenwettbewerb wurde auf Veranlassung des Bundesdenkmalamtes eine historische Bauforschung durchgeführt und detaillierte Bauphasenpläne erstellt, in denen sämtliche Bauteile und Bauelemente zeitlich präzise in einem Raster von elf Bau- und Umbauphasen zwischen dem späten 13. und dem 20. Jahrhundert eingeordnet werden konnten. Auf Grund dieser Untersuchungen war eine differenzierte denkmalpflegerische Beurteilung der Bedeutung und Erhaltungswürdigkeit aller Bauteile der Anlage als Ausgangspunkt für den Architektenwettbewerb möglich. Die hauptsächlichen Eigenschaften des Siegerprojekts der Architekten Maximilian Luger und Franz Maul bestanden darin, ältere Raum- und Baustrukturen der Klosteranlage wieder herzustellen und für die geplanten neuen Funktionszusammenhänge, insbesondere auch für die Erschließung und Wegeführung fruchtbar zu machen, wobei die erforderlichen Ergänzungen wie beispielsweise das neue Foyergebäude im Schießerhof in einer individuellen modernen Formensprache interpoliert wurden.

Einen besonderen - auch denkmalpflegerischen - Gewinn bildete die Rückführung des gesamten mächtigen Kirchenraums auf seine ursprüngliche Dimension durch Entfernung aller Zwischengeschoße. Die Gestaltung der neuen Elemente in einer zeitgenössischen Formen- und Materialsprache ist auch aus dem Blickwinkel der Denkmalpflege als verbreitete Methode anzuerkennen. Die Voraussetzung hierfür bleibt jedenfalls, dass der Ausgangspunkt in den immanenten, das heißt historischen Qualitäten des Denkmals gesucht und so eine angemessene nachvollziehbare Weiterentwicklung und Fortschreibung der vorgefundenen historischen Baustrukturen - gewissermaßen in neuen Jahresringen - ermöglicht wird.

So ist im Welser Minoritenprojekt das Grundverständnis der ehemaligen Klosteranlage hervorzuheben und es ist gleichzeitig auch darauf hinzuweisen, dass die zurückgenommene Formensprache der neuen Gestaltelemente mit ihrer Genauigkeit von Linien, Fugen und Flächen ein differenziertes Reagieren auf die Verschiedengestaltigkeit der vorhandenen historischen Elemente erlaubte. Die charakteristische Erscheinung und Wertigkeit der alten Bauteile innerhalb des Projekts wurde durch die denkmalpflegerische Forderung nach Erhaltung und Restaurierung der historischen Putze und Oberflächen gewährleistet, die eine entscheidende Rolle für die materielle und ästhetische Authentizität des Denkmals spielen. Nicht zuletzt wurde dies durch eine Reihe von wichtigen Entdeckungen von mittelalterlichen und barocken Wandmalereien bestätigt, die nach Freilegung und Restaurierung auch aufschlussreiche Einblicke in frühere Gegebenheiten und Bauphasen erlauben. Eine ganz besondere Wirkung entfaltet in dieser Hinsicht der wiederhergestellte gotische Chorraum, in dem die rote Fassung der Wand- und Gewölbeflächen sowie die zugehörige Farbgebung der Gewölberippen und Schlusssteine aus der Bauzeit des ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhunderts freigelegt, retuschiert und ergänzt wurden.

Bei der äußeren Erscheinung der Anlage führte die denkmalpflegerische Definition des Restaurierziels zu einem sehr geschlossenen Gesamtbild, in dem die hauptsächlich prägende Phase des 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit einer durchgehenden einheitlich weißen Farbgebung dominiert. Die aus historischen Befunden und Analysen ermittelte zurückhaltende Farbgebung findet in der reduzierten, klaren Stilhaltung der neuen Architekturteile beste Kongruenz. Dies gilt auch für die Konstruktion der - in diesem Fall durchwegs neu herzustellenden - Fenster, die in Entsprechung zu dem maßgebenden Erscheinungsbild der Fassaden aus dem 18. und beginnenden 19. Jahrhundert als Holzkastenfenster mit außen aufschlagenden Außenfenstern ausgebildet wurden.