Restaurierbeispiele aus den Restaurierwerkstätten für Kunstdenkmale im Wiener Arsenal

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Zerbrochener Ruhm wird wieder heil - Wiener Attikastatuen - Weiß-goldene Figurenreliefs des "Goldenen Dachls" in Innsbruck

Auf den Dächern der historischen Bauten Wiens stehen rund 2000 lebens- und überlebensgroße Stein- und einige Bronzestatuen als allegorische Bekrönung der Fassaden. Da sie in besonders hohem Maße der Verwitterung ausgesetzt sind, benötigen sie sorgfältige Konservierung und vorbeugenden Schutz für Stein- und Metallteile sowie periodische Kontrolle und Pflege durch die zuständigen Bauverwaltungen in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt. Neben der systematischen Sanierung umfangreicher Figurenzyklen auf der Hofburg und den Museen, dem Belvedere und Schloß Schönbrunn, auf der Universität und gegenwärtig auf dem Parlament bereiten aber immer wieder Einzelfiguren akute Probleme. Beim Verwaltungsgerichtshof (ehem. Böhmische Hofkanzlei) am Wiener Judenplatz mußte die 260 cm hohe und rund 300 kg schwere, mit einem Putto auf Wolken "schwebende" Gruppe der Fama wegen akuter Absturzgefahr abgenommen werden. Der schlechte Zustand war von älteren Zementergänzungen verdeckt und wurde erst bei der weiteren Bearbeitung in den Amtswerkstätten des Bundesdenkmalamtes in seinem ganzen Ausmaß deutlich. Die Gruppe mußte in viele Bruchteile zerlegt, der Stein strukturell gefestigt und neu zusammengesetzt werden. Fehlende Teile wurden bildhauerisch ergänzt. Zum Schluß brachte man eine hydrophobierte Kalkschlämme anstelle der ursprünglichen Bleiweißfassung als Schutz auf - die Gesamtkosten betrugen rund 200.000.- Schilling. Die Figurengruppe erhielt zur Verankerung auf dem Fassadengesims rückseitig ein statisch vorberechnetes neues Metallgerüst. Die Wiederaufstellung in 30m Höhe war mit hydraulischen Hebekränen auch heute nicht einfach - man bedenke, daß die Bautechniker des 18. Jahrhunderts die gleiche Arbeit mit Holzgerüsten und Flaschenzügen bewältigt haben. Im Zuge der jüngsten Gebäuderestaurierung des im Jahre 1500 vollendeten Wahrzeichens der Stadt Innsbruck haben die Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien auch die Fassung der im Tiroler Landesmuseum verwahrten originalen Sandsteinreliefs erstmals genau untersucht. Bei der schichtenweisen Analyse der bis zu vier späteren Übermalungen erwies sich deren bisher für spätmittelalterlich gehaltene naturalistische Polychromie mit bunter Kostümierung eindeutig als spätere Interpretation des 17./18. Jahrhunderts. Als unterste und damit originale Fassung zeigte sich dagegen überall eine gealterte, weißen Marmorstein imitierende Bleiweißfassung mit einzelnen Vergoldungen für Inschriften, Gewandsäume und Zierteile. Sie ist noch weitgehend erhalten, wie ein Freilegungsmuster auf einem seitlichen Relief der Moriskentänzer zeigt. Diese Musterfreilegung hat größte restauratorische Präzision erfordert und dabei auch viele überdeckte feinteilige Einzelformen wieder sichtbar gemacht. Diese Entdeckung hat wesentliche Folgen für die künstlerische Auffassung der Reliefs. Ihre Schöpfer haben sich demnach an der großen Zeitenwende vor 500 Jahren nicht an der alpenländischen Spätgotik, sondern mit dieser Weiß-Goldfassung an der Steinskulptur der Renaissance in Italien orientiert. Restaurierwerkstätten Kunstdenkmale