Pfarrkirche Hl. Laurentius in Piesendorf

Blick von unten auf ein gotisches Gewölbe
Die Restaurierung der Piesendorfer Pfarrkirche erbrachte interessante Funde und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Ergebnisse eines internationalen Symposiums, das im Oktober 1998 zu den spätgotische Malereien in der Michaelskapelle der Pfarrkirche abgehalten wurde, erscheinen nun in einem Tagungsband.

Zu einer eingehenden Beschäftigung mit der Pfarrkirche und ihrer künstlerischen Ausstattung haben die Restaurierung der Jahre 1989 bis 1996, ein 1998 in Piesendorf abgehaltenes Internationales Symposium, sowie Konservierungsmaßnahmen an künstlerisch bedeutenden Einzelstücken beigetragen.

Bei dem südseitigem Sakristeianbau wurde 1990 ein aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammendes reich profiliertes, in Ocker gefaßtes Portal mit einem figural ausgebildeten Tympanonfeld aufgefunden. In diesem ist der Kirchenpatron, der hl. Laurentius flankiert von zwei Engeln, dargestellt. 1991 erfolgte eine archäologische Grabung in Teilbereichen unter der Empore, im Langhaus und im Chor der Kirche. Fundamente der Vorgängerbauten wurden freigelegt, die Angaben über die erste Kirche des Ortes und die verschiedenen An- und Umbauten der romanischen und gotischen Epoche möglich machen. Der vorgefundene Typus einer romanischen Doppelkirche mit zwei getrennten Schiffen auf unterschiedlichem Niveau findet in Salzburg keine Vergleichsbeispiele. Die bauhistorischen Ergebnisse über das aufgehende Mauerwerk in der Michaelskapelle und im Chorbereich sowie über die einzelnen Bauabschnitte und Materialienuntersuchungen liegen vor. Bei den Hölzern der unterschiedlichen Dachkonstruktionen wurden Altersbestimmungen durchgeführt. Die dendrochronologische Untersuchung der Balken über der Michaelskapelle ergab ein Fälldatum von 1430, über dem Langhaus wurden Bäume verwendet, die 1450 gefällt worden sind und für das Holz das Dachwerkes des Chores wurde ein Fällzeitpunkt von 1507/08 bestimmt.

Die Befundungen der Kirchinnenwände ergaben, daß sich unter der heute sichtbaren Raumfassung des 19. Jahrhunderts im Gewölbe des Langhauses und des Chores weitere Tüncheschichten mit figuraler Malerei der Barockzeit und um 1600, die an der Nordwand des Kirchenschiffes zu erkennen ist, befinden. Die Innen- und Außenwände (!) der nach 1400 an die Kirchensüdseite gebauten Michaelskapelle sind ebenfalls mehrmals bemalt worden. Die von 1992 bis 1996 freigelegten Wandbilder in der Michaelskapelle bilden ein einzigartiges Zeugnis eines einheitlichen Raumprogrammes der Spätgotik. Als Künstler wird ein im bayerisch-salzburgischen Raum wirkenden Wanderkünstler mit dem Notnamen "Meister von Piesendorf" genannt. Weitere Arbeiten des Malers finden sich in der Nahregion, wie in der Filialkirche in Schwarzenbach, in der Pfarrkirche von Uttendorf, in der Kirche von Urschalling bei Prien am Chiemsee sowie in der Kirche von Westerbuchberg (Bayern).

Durch den Anbau der Michaelskapelle wurde eine weithin sichtbare, in Freskotechnik gemalte Christophorusfigur, die Ende des 14. Jahrhunderts entstanden sein dürfte, verdeckt. Reste dieses Freskos, wie der Kopf des Heiligen und der Christusknabe sowie die gemalte, ornamentale Bordüre, aber auch die Fußpartie in der Kapelle zeugen von höchster künstlerischer Qualität. Im Bauschutt des Turmes fand sich ein in gotischer Form getriebener Wasserspeier, der als eindrucksvoll gefertigtes Baudetail, in dem südlichen Vorraum zur Michaelskapelle einen Platz gefunden hat. Schnitzwerke, wie eine Grablegung Christi - eine gefaßte Lindenholzgruppe vom Ende des 15. Jahrhunderts - und ein Ecce Homo - eine gefaßte Vollplastik mit Gehäuse um 1700 - wurden in den Restaurierwerkstätten Kunstdenkmale konserviert.

Der Tagungsband zum internationalen Symposium (8./9. Okt. 1998) "Die spätgotische Malerei der Michaelskapelle in Piesendorf. Zur Erhaltung und Erforschung mittelalterlicher Wandmalerei im Ostalpenraum" erscheint am 16. Juni. Erstmals werden in einer wissenschaftlichen Publikation Beispiele spätgotischer Wandmalerei um 1420 /30 aus Salzburg vorgestellt und in einen regionalen/überregionalen Konnex gesetzt. Hrsg. von Ronald Gobiet mit Beiträgen von Peter Adam, Ernst Bacher, Iris Badstuber-Feuchtmeir, Tomas Edel, Hermann Fuchsberger, Janez Höfler, Waltraud Kofler-Engl, Michael Kühlenthal, Friedrich W. Leitner, Ernst Lux, Fritz Moosleitner, Jürgen Pursche, Andreas Rudigier, Johann Sallaberger, Stefan Schmid, und Christoph Tinzl. Format 24 x 30 cm, ca. 260 Seiten, 187 Abb. (117 SW, 70 Farbe) Hartband, Fadenheftung, ISBN 3-901257-18-7 Preis ATS 398,-/DM 56,-/euro 28,90 Bestellung: Verlag Tauriska, Kammerlanderstall 15 a A-5741 Neukirchen am Großvenediger Tel. +43/6565/6145, Fax + 43/6565/6794 E-mail: tauriska.kammerlanderstall@aon.at

Letztes Update: 19.06.2000 © Copyright 2000 BUNDESDENKMALAMT