Mostkeller in Stiedelsbach - Losenstein in Oberösterreich

Ausschnitt aus der Sgrafittomalerei.
Reiche Sgraffito-Dekoration aus der Renaissance freigelegt

Der Mostkeller in Stiedelsbach ist Bestandteil des bis ins 13.Jahrhundert nachweisbaren, 1313 urkundlich genannten und zur Herrschaft Steyr gehörenden Peilsteinergutes. Stiedelsbach, eine zur Gemeinde Losenstein gehörende bäuerliche Siedlung war ein wichtiger Standort der Kleineisenindustrie mit bis ins 15.Jahrhundert nachweisbaren, die Wasserkraft des Stiedelsbaches nutzenden Nagelschmieden. Das in einiger Höhe über dem Tal gelegene Peilsteinergut ist eine bereits in spätmittelalterlicher Zeit "Guet" bezeichnete, repräsentative, mit einer Hausmühle ausgestattete Hofanlage und soll mit seinem, heute als Mostkeller dienenden Nebengebäude den Fürsten Schwarzenberg als Jagd- und Verpflegungshaus gedient haben. Durch die Ehe Elisabeths von Schwarzenberg mit Wolfgang von Losenstein von 1509 bis 1533 ergibt sich auch ein plausibler Bezugspunkt. Das kleine, in den Hang gebaute, mit einem Obergeschoß ausgestattete, im Erdgeschoß gewölbte Kellergebäude reicht in seiner Bausubstanz in das 16. bzw. frühe 17.Jahrhundert zurück und soll gemäß der Überlieferung mit der Jahreszahl "1613" bezeichnet gewesen sein. Dieses renaissancezeitliche Datum wird durch die reiche, umlaufende Sgraffitodekoration bestätigt. Sie zeigt an den Eckquadern, den Geschoßbändern und den Fensterrahmungen das zeittypische Motiv des "Laufenden Hundes". Durch die 1997/1998 erfolgte Freilegung und Restaurierung konnte dieses bemerkenswerte Dekorationssystem wiedergewonnen werden, das ein hervorragendes Beispiel der ursprünglich im Voralpengebiet weit verbreiteten ländlichen Sgraffitokunst darstellt. Bedingt durch die exponierte Lage des Kellergebäudes und die durch den Hang verursachte Feuchtigkeitsbelastung waren im Rahmen der Sanierung zur Erhaltung der wertvollen Putzfassaden umfangreiche bestandsichernde Maßnahmen, wie Festigung der Hohlstellen mittels Haftmörtelinjektagen und diverse Methoden zur Reduzierung des hohen Versalzungsgrades erforderlich. Von besonderem Interesse und größter Seltenheit ist der gemalte, ebenfalls restaurierte Figurenfries oberhalb der Eingangstür, der tanzende Gestalten in zeitgenössischer, sogenannter "spanischer" Tracht darstellt und dadurch die oben genannte Datierung bestätigt. Die Männer tragen Pumphosen, breite Wämse mit engen Taillen, Halskrausen und Hüte, die Frauen lange Schleppkleider. Die zu einem Wandfries gereihten Figuren sind paarweise und frontal angeordnet und scheinen einen quadrilleartigen Tanz auszuführen. Dieses im ländlichen Raum äußerst ungewöhnliche Motiv aus der vornehmen Welt der Adelskultur bestätigt wohl die überlieferte Funktion des Gebäudes als adelige Jagd- und Raststation.