Franziskanerkirche und Kloster St. Michael mit der Familiengruft der Esterházy

Kirchturm
In einer Ablassbulle des Jahres 1415 wird ein im Türkenkrieg von 1529 verlassenes Minoritenkloster zu St. Johannes Evangelist an der Stelle des heutigen Franziskanerkomplexes zu St. Michael erwähnt.

1622 wurde die Herrschaft Eisenstadt mit dem Patronatsrecht an Graf Nikolaus Esterházy verpfändet. Dieser bemühte sich, von Jesuiten beraten, um die Rekatholisierung seiner mehrheitlich protestantischen Untertanen. Deshalb kam es 1625 zu Neugründung und Wiederaufbau des verödeten Klosters. Die langgestreckte Klosterkirche mit gotischen Strebepfeilern wurde unter Verwendung mittelalterlicher Mauerteile neu errichtet. 1630 konnte die wieder erstandene Anlage dem Franziskanerorden übergeben werden. Zu den wesentlichen Aufgaben der Mönche zählte später neben der seelsorglichen Tätigkeit auch die Betreuung der von Fürst Paul I. 1705 gestifteten Familiengruft. Nach dem Brand von 1768 wurde das Kloster als dreigeschossiger, vierflügeliger Bau erneuert; 1778 erfolgte die Errichtung des Westturmes.

Im Inneren der Kirche, einem Saalraum mit eingezogenem Chor, in dem 1971 gotische Maßwerkfenster freigelegt werden konnten, findet sich eine außergewöhnlich wertvolle Ausstattung aus der Zeit der Weihe um 1630, die nun gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt restauriert wird: Der Hochaltar mit der zentralen Darstellung des hl. Michael wird an den Triumphbogenpfeilern von zwei bemerkenswerten Seitenaltären, die in verfeinerter Stucktechnik gearbeitet sind, flankiert. Geschaffen wurden diese drei frühbarocken Altäre von italienischen Künstlern, die ausschließlich im höfischen Bereich tätig waren. Ziel der laufenden Restaurierung ist die Entfernung der mehrfachen Überfassung und die Wiederherstellung des befundmäßig festgestellten Zustandes von 1630 mit geglätteter, weißlicher Stuckoberfläche und partieller Vergoldung.

Weitere erwähnenswerte Elemente der Ausstattung sind die Rokoko-Kanzel und die Orgel von 1760, ferner das Chorgestühl und das Mönchsgestühl auf der Westempore von 1630. Das Klostergebäude beherbergt das 1980 eröffnete Diözesanmuseum mit beachtenswerten Objekten aus burgenländischen Pfarren. Seit 1705 befindet sich hier die 1856/57 von Ferenc Storno und zuletzt 1990/91 erweiterte Fürstliche Gruft der Familie Esterházy. In einer dreischiffigen Pfeilerhalle, mit zweiarmiger Treppe, flankiert von zwei Marmorplastiken - vermutlich Fürst Paul II. Anton (gest. 1762) und dessen Gemahlin Maria Anna darstellend - befindet sich die reich gestaltete, rotmarmorne Tumba der Fürsten Paul (gest. 1713) und Joseph (gest. 1721) Esterházy, sowie die Grablege des Fürsten Nikolaus II. (gest. 1833), Freund der Künste und Förderer Joseph Haydns.

Die Klosteranlage, mit der Familiengruft der Fürsten Esterházy darf als ein herausragendes Beispiel für die enge Bindung dieses bedeutenden Magnatengeschlechts an den Wiener Hof angesehen werden. Dies läßt auch die intensive Mitwirkung der Fürsten Esterházy an der von Kaiser Ferdinand II. (gest. 1637) im Zuge der Gegenreformation initiierten "Klosteroffensive" erkennen, die eine Reihe von Kloster- und Kirchengründungen zur Folge hatte.