Klagenfurter Stadttheater

Aus dem Garderobenraum blickt man auf eine Statue im Stiegenhaus.
Kärnten, Klagenfurt, Theaterplatz 4

Anläßlich des Kaiserjubiläums wurde in Klagenfurt 1908-10 ein Stadttheater errichtet. Die Pläne für den Bau lieferten Fellner & Helmer, ein vor allem auf Theaterbauten spezialisiertes Architekturbüro, das seine Spuren in vielen Städten der Monarchie und Deutschlands hinterlassen hat.

Heute stellt das Klagenfurter Stadttheater in seiner noch vom Späthistorismus, aber größtenteils von der Sezession und dem konservativen Jugendstil beeinflussten Gestaltung einen der wenigen Höhepunkte im Baugeschehen Kärntens dieser Zeit dar.
Restaurierungen in den dreißiger und sechziger Jahren wie insbesondere die Errichtung eines Anbaues an der Rückseite des Theaters im Jahr 1968 haben die künstlerische Wirkung des Fellner-Helmer-Baues innen und außen stark verändert. Für die Errichtung eines neuen Anbaues wurde 1995 ein Wettbewerb ausgeschrieben, als dessen Sieger das Projekt des Kärntner Architekten Günther Domenig wegen seiner sehr überzeugenden funktionellen und gestalterischen Lösungen hervorging. Als denkmalpflegerisches Ziel wurde die Erhaltung der Originalsubstanz sowie die größtmögliche Wiederherstellung des Erscheinungsbildes von 1910 festgelegt, wofür die noch vorhandenen Planunterlagen sowie Fotos aus der Erbauungszeit des Theaters herangezogen werden konnten. Funde während der Umbauarbeiten erleichterten die Rekonstruktionen zusätzlich: So wurden etwa ein vermauerter Raum mit den originalen, glasierten Mönch- und Nonne-Ziegeln gefunden, hinter einer später eingezogenen Zwischenmauer ein Streifen der originalen Wandbespannung mit sezessionistischem Dekor entdeckt und von einem ehemaligen Mitarbeiter des Theaters unerwartet ein Stück des Originalvorhanges gebracht. Dies half, Fragen der Farbigkeit der Originalausstattung, die sich nicht auf Befunde stützen konnten, zu klären. Der Zuschauerraum zeigt sich nun mit seinen weiß-goldenen Wand-, Decken- und Brüstungsflächen sowie den nachgewebten gold-gelben Wandbespannungen und der neuen, dunkelgrauen Bestuhlung wieder in seiner ursprünglichen Farbigkeit. Die gemusterten Teppiche der Wandelgänge und Foyers mußten ebenso wie die Lampen und Laternen rekonstruiert werden. Die Garderoben und die Einrichtung der Foyers wurden unter Rücksichtnahme auf die Originalsubstanz neu gestaltet. Einen zeitgemäßen künstlerischen Akzent erhielt der Zuschauerraum mit dem von Mimmo Paladino gestalteten eisernen Vorhang. Mit der Verleihung des Bauherrnpreises 1998 der Zentralvereinigung der Architekten erfuhr das künstlerisch hervorragend gestaltete Projekt auch eine fachliche Auszeichnung. Medial wurde das Ergebnis dieses vom Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Kärnten, in beratender Funktion begleitete Bauvorhaben als geglückte Symbiose eines nach denkmalpflegerischen Richtlinien restaurierten Altbaues mit dem gestalterisch überzeugenden Neubau Domenigs gefeiert.