Wallfahrtskirche Maria Weinberg

Kirche vor blauem Himmel
Bedeutende südburgenländische Wallfahrtskirche, die auf einem Höhenzug über dem Pinkatal weithin sichtbar situiert ist.

Bereits 1221 vermutlich als Kapelle der verlorengegangenen Burganlage Kertes erwähnt, wurde der Kirchenbau, jedoch erst im 3. Drittel des 15. Jahrhunderts aufgrund einer im Jahre 1475 von Papst Sixtus IV gewährten Ablaßbulle, in der heutigen spätmittelalterlichen Erscheinung errichtet; das Weihedatum von 1524 belegt den Bauabschluß. Trotz mehrerer nicht weiterhin nennenswerter Umbauten und vor allem der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgten Barockisierung wird der Kirchenbau an sich in seiner architektonischen Erscheinungsform noch weitgehend von dem späten 15. Jahrhundert geprägt. Bestimmt wird der Bau von dem dominierendem Langhaus samt mächtigem Turm und dem betont abgesetzten Chorpolygon. Beide Gebäudeteile besitzen neben den hohen Maßwerkfenstern auch ein weitmaschiges und feingliedriges überwiegend aus Terrakotta gearbeitetes Netzrippengewölbe. Diese Baudetails weisen den Bau neben den benachbarten Pfarrkirchen von Eberau, Unterbildein und dem heute ungarischen Szentpeterfa, vormals Prostrum, als zu einer regionalen Bauhütte zugehörig aus. Terrakotta als Werkstoffmaterial kam insbesondere in der ehemals westungarischen/steirischen Region zur Anwendung und wurde meist in mittelalterlichen Klosterwerkstätten gefertigt. Das an der linken Apsiswand situierte und dekorreiche spätgotische Sakramentshäuschen aus Terrakotta kann als besonders schönes Beispiel einer solchen Werkstattarbeit angesehen werden. Aus dieser spätmittelalterlichen Erbauungszeit haben sich noch eine spätgotische Sichelmadonna mit Kind, 4.Viertel des 15.Jahrhunderts, heute das Zentrum des barocken Hochaltares, und ein in seiner expressiven Theatralik bereits selten gewordenes Bespiel eines spätgotischen Haarkruzifixus erhalten, als Vergleich wäre hier der Kruzifixus von St. Veit an der Gölsen/NÖ zu erwähnen. Beide Skulpturen wurden in den Jahren 1977 - 1979 in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes restauriert. Massive Bauschäden bewirkten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts aufwendige Renovierungsarbeiten, die vor allem die Neuerrichtung des noch heute bestehenden barocken Dachstuhles, bez.1775, mit einer minimalen Aufzonung der Kirche sowie die 1777 erfolgte Wiedererrichtung des 1750 eingestürzten obersten Turmgeschosses zur Folge hatten. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch die einheitliche barocke Einrichtung von 1785 - 95 geschaffen, lediglich die inmitten des Kirchenraumes freistehende barocke Säulenmadonna von 1625 blieb bis heute als einzige im Burgenland in dieser Situierung bestehen, wie sie in vielen größeren Kirchen ursprünglich anzutreffen war. Nach schweren Kriegsschäden von 1945 fanden zunächst Wiederinstandsetzungsarbeiten statt. Jedoch erst in den Jahren 1963 bis 1965 konnte eine Gesamtrestaurierung durchgeführt werden, die vor allem eine aufwendige Restaurierung des Inneren zum Ziele hatte. Die Arbeiten umfaßten vor allem auch die ab 1975 etappenweise Restaurierung der barocken Einrichtung, ebenso konnten die barocken Fresken des 17. Jahrhunderts über dem Triumphbogen mit der breit angelegten Darstellung der Kreuzabnahme und dekorative Seccomalereien an der Orgelempore aus dem 18. Jahrhundert freigelegt werden. 1983 erfolgte die Dachneueindeckung mit Ziegelmaterial. 1995 begannen die Vorbereitungsarbeiten für die geplante Außenrestaurierung, die im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts durchgeführt und 1998 abgeschlossen werden konnte. Besonderen arbeitstechnischen Aufwand erforderten die Analyse und Materialverarbeitungsentwicklung der nach Befund erfaßten mit Holzkohle eingefärbten Rieselputzfelder, die durch ein geglättetes Bänderungssystem gegliedert werden. Die Arbeiten erfolgten unter ständiger restauratorischer Betreuung und einer begleitenden bauhistorischen Dokumentation. Im Zuge der Mauertrockenlegung mittels aufwendigen Durchschneideverfahrens wurde der Fußboden mit Kehlheimerplatten neu verlegt. Ebenso mußte das gesamte Innere nach den notwendigen Putzausbesserungen und der Behebung schwerer statischer Schäden an den Gewölberippen mit Kalkmaterial gefärbelt werden, wobei auch die oben genannten Wandmalereien einer restauratorischen Reinigung unterzogen wurden. Der südlich der Kirche gelegene kaum veränderte mittelalterliche Karner, mit typischem steil aufragendem Satteldach, wurde in das umfassende Restaurierungsprogramm miteinbezogen, wobei der Restaurierung der frühbarocken Kreuzigungsgruppe samt Schächern aus dem 17. Jahrhundert besonderes Augenmerk geschenkt wurde. Die einzelnen Figuren wiesen schwere witterungsbedingte Schäden auf und zeigen nun nach der notwendigen Holzfestigung wieder die originale barocke Fassung.